Da war es also mal wieder, ein Kräftemessen mit dem Fußballklub Feyenoord aus Rotterdam. Seinerseits der Europapokalrekordgegner des VfB Stuttgart (gefühlt war das immer Brügge, aber da gibt es ja ein paar mehr Vereine), andererseits für mich eines der eher besonderen Spiele, war der Kick im September 1998 damals vor 18.000 (!) Zuschauern doch mein erstes Europapokalspiel. Unvergessen auch das Rückspiel im de Kuip als 300 Unerschrockene (exklusive mir) am Boden der Busse den vorbeifliegenden Pflastersteinen auswichen …
Also war ich mehr als gespannt, die Rotterdamer Asselszene mal wieder anzutreffen und dieses Mal vor ausverkauftem (Toll-)Haus. Wie sich die Zeiten doch ändern. Der Tag begann für mich minimal aufgeregt und während Andi, Else, Haupttribühnenehrengast Jens, Medes (samt schwesterlicher Begleitung), Sailo, Sebi und Theo mehr oder weniger gemütlich die A8 nach Stuttgart nahmen, schnupperte ich tagsüber noch Hörsaalluft an der LMU, sodass ich erst kurz vor Toresschluss, aber dafür voll bepackt im Business-Kasper-Outfit und mit Rucksack in Schlagdistanz des weiten Runds war.
Selbstredend, dass von den 8 Millionen anwesenden Polizisten auch jeder selbst ein Schließfach am Cannstatter Bahnhof besetzen musste, sodass ich mich schon mein Gepäck in den Neckar werfen sah, wären da nicht, ja wären da nicht, die sensationellen Schließfächer vor der Cannstatter Kurve gewesen. Was für ein Service: Für das Pfand (!) von einem Euro kannst du 20 Min vor Anpfiff im Europapokal noch dein Zeug wegsperren…. Eine satte Szene … unbezahlbar.
Also rein ins weite Rund und erstmal den Gästepöbel gemustert. Und tja, es war wie damals irgendwie: Zwar dieses Mal nicht hinter Stacheldraht, aber doch „irgendwie gefährlich“. Und ehrlicherweise als 17-jähriger Pisser hatte mich das noch fasziniert, jetzt fand ich es eher nur erbärmlich. Null Tifo, kaum Support, aber brutal gefährlich aussehen. Klar boxen die sicher den einen oder anderen weg, aber ernsthaft, ich fands maximal schlecht. Auch die Bilder, die hernach auf den Handys rumgingen: Den Zaun rausreißen, aber dann den letzten Schritt nicht gehen? Busse entglasen, warum? Bäume anzünden? Assis eben, hat mit Fußball oder Hooliganismus gar nix zu tun. Mit sattem Support schon gleich 1893 mal nix…
Viel besser war es allerdings auf der Cannstatter Seite auch nicht. Sicher kein schlechter Auftritt, aber wenn man bedenkt, dass mittlerweile die Untertürkheimer Kurve in Gesänge einstimmt (unglaublich, dass man in Cannstatt „nahe“ an „etwas wie zwei“ Kurven ist), wäre schon noch deutlich mehr drin gewesen. Der Kick half aber auch nur bedingt weiter für ein emotionales Spiel. Man sah schon, warum beide Mannschaften bisher eher so mittel im europäischen Wettbewerb unterwegs waren. Aber vermutlich passten sie sich einfach der Leistung des Schiedsrichters an: Lecko mio, schon lange nicht mehr gesehen, dass ein Typ sich lediglich durch seine Sprühdose auszeichnen konnte, sonst aber einfach nur rabenschlecht war. Ehrlich, auch ohne gefärbte Brille, es kann mir keiner erzählen, dass es in Rumänien keine besseren Schiedsrichter als diesen Kasper samt seiner Assistenten gibt. Nur großem Glück ist es zu verdanken, dass Stillers Angelo nicht mit Gelb-Rot vom Platz flog (und er zu recht dann nicht mal gewusst hätte, warum) und wir dieses Spiel nicht durch einen schimmligen Elfer verloren haben. So war es, dass die kleinen van der Vaarts, Koemans und De Boers, dann in den letzten Minuten doch verdient geschlagen wurden und der Stuttgarter Pöbel kurz anklingen ließ, welches Potenzial mittlerweile in der Schüssel steckt. Die Rotterdamer waren wohl etwas grätig und das Bier schien auch nicht zu schmecken, sodass die Becher doch noch fliegen lernten. Das passte ins eher erbärmliche Bild…
Puh, also mal wieder jährte sich das Spiel gegen Feyenoord aus Rotterdam und ganz ehrlich, so schnell brauch ich es gar nicht wieder. Außer, dass in Stuttgart mal wieder ein Wasserwerfer gesichtet wurde, haben die Rotterdamer wahrlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen…
Ganz im Gegensatz zum brandneuen Stoccarda: Man, war ich froh, dass ich im Schließfach (gegen Pfand, ihr erinnert euch) einen Rucksack hatte, in den ich diesen viel zu schweren Welzer packen konnte. Chapeau an die schreibende Zunft: Jedem halbwegs Interessierten sei dieses Meisterstück Stuttgarter Fußballliteratur ans Herz gelegt. Ich war gerade Gott froh, dass mein Zug eine Stunde Verspätung hatte, um in den Schmöker reinzulesen.
Allez VfB und bis zum nächsten Mal (und denkt auch an einen Rucksack für das Stoccarda)