Samstag, 23.5.2026, Pokalfinale in Berlin, der VfB Stuttgart tritt gegen den FC Bayern München an, um seinen Titel zu verteidigen… Trifft jemand eine solche Aussage vor knapp drei Jahren, dann weist du ihn in sofort (völlig zurecht) in die Propellerfabrik nach Schusselbach ein. Nicht aber so in diesen weiß-rot bewegten Zeiten. Also, dann eben schon wieder nach Berlin, wenn es unbedingt sein muss …
Aber eigentlich war schon im August 2025 klar, dass wir erneut ins Finale einziehen sollten, hatte dies doch Orakel Medes bereits in der ersten Runde auf dem Weg nach Braunschweig angekündigt. Überzeugend setzte man sich hier im Elfmeterschießen gegen die Löwen durch, um dann in Mainz, Bochum und im hohen Norden gegen Kiel ohne große Probleme und nach knappem Sieg gegen die Badenser aus Freiburg, verdient wiederholt im Finale zu stehen.
Dieses Mal ging das traditionelle Kartengalama schon vor dem Halbfinale los als der glorreiche DFB beschloss, seine Verlosung (ihr erinnert sicher das rennende Männchen letztes Jahr, dem dann leider die Puste ausging) bereits vor der feststehenden Finalpaarung vor dem Halbfinale auslobte. Ein Schelm, wer Böses denkt, dass es hier eigentlich nur um eine groß angelegte Datensammelaktion ging und man Viagogo gleichzeitig einen Gefallen an verfügbaren Tickets von dann doch am Finale nicht Interessierten bot. Selbstredend gingen wir alle bei dieser wiederholten Farce leer aus.
Bereits am Abend des Finaleinzugs kommunizierte der VfB zudem seine Modalitäten zur Ticketvergabe und ja man muss sagen, dass wohl auch hier eine gewisse Routine eingespielt war. Klappte wie am Schnürchen, unsere Mitgliederbewerbungen wurden (fast) allesamt abschlägig beschieden. Alles wie gehabt also… Und tatsächlich war alles wie gehabt, wurden uns dann doch über die Szene/Kurvenverteilung an die aktiven Nasen sämtliche Kartenwünsche dennoch erfüllt und es konnten sogar noch Kinderträume dank Losfee Elsmar erfüllt werden. Danke, VfB!
So war es also, dass wieder mal im Mai ein paar Beavers, namentlich Bombese, Jens, Lutze, Marco, Medes, Mosche (samt Junior), Robbe, Sailo, Sebi, Suhles und der Schreiberling auf unterschiedlichsten Reiserouten den Weg in das Moloch Berlin auf sich nahmen. Folgende Reiserouten mit ganz unterschiedlichen Geschichten galt es dabei zu unterscheiden: Reisegruppe „Flixtrain Freitag“, „Flixtrain Samstag“, „Individual von Auges“, „Individual mit den Yard Bwoys“, „Vater + Sohn“ und „Familientrip mit Camper“.
Nun sollte man meinen, dass sich die Reisegruppe „Flixtrain Freitag“ wohl als erste auf den Weg machen durfte, doch weit gefehlt, die Reise begann für die Reisegruppe „Flixtrain Samstag“ schon am Donnerstag als erst eine noch unverfängliche Mail versandt wurde. Man tat dabei kund, dass die (notwendigen) Sitzplatzreservierungen für Samstag wohl gestrichen seien. Ok, dann halt (verbotener Weise) im nicht vorhandenen Bistro stehen. Aber etwas später wurde die Mail dann noch etwas würziger als nicht nur die Sitzplätze, sondern der gesamte Zug dann doch kurz vor knapp abgesagt wurde. So sehr man sich an „deutsch scheiße Bahn“ gewöhnt hatte, und man sich nun erstmalig auf die Konkurrenz verließ, war man auch hier verlassen. Es musste also doch noch auf die Staatsbahn umgeplant werden, was auch hervorragend klappte, aber am Reisetag auch noch etwas in petto haben sollte (dazu später mehr).
Freitags fährt der Flixtrain aber wohl anstandslos, sodass Jens, Marco, Medes, Sailo und Sebi nicht nur pünktlich ankamen, sondern auch noch dem Pokalsieg der U19 in Babelsberg beiwohnen konnten. Einfach satt, wenn die U17 Deutscher Meister ist und die U19 Pokalsieger wird. Fast wie in früheren Zeiten! Den Abend ließ man nach etwas Anlaufschwierigkeiten aufgrund nicht vorhandenem Arbeitswillen manch anwesendem Barpersonals, dann noch in einem Irish Pub mit motivierten Kellnern ausklingen. Die gesamte Gruppe trieb dabei allerdings die Frage um, wann sich nun ein Teilnehmer der Samstagsgruppe duschen solle: Abends (nach dem Rasenmähen), morgens (vor der Reise) oder so wie immer einfach gar nicht? Einer Lösung konnte dieses Millenium-Problem über das gesamte Wochenende nicht zugeführt werden.
So traf man sich also am Samstag nach und nach in einem gemütlichen Biergarten, den Sebi überragend ausgesucht hatte und der wohl auch der ein oder anderen Szenenase bekannt war. Während also die Reisegruppe Flixtrain Samstag dann auch endlich unterwegs war, traf man derweil die altbekannten Nasen, insbesondere auch aus Wurzach und stimmte sich langsam auf das Spiel ein. Sobald es um Fußball ging, war der Tenor eigentlich klar gesetzt: Ok, wir haben keine Chance, aber denk nur mal dran, wir gewinnen es trotzdem: Kann es etwas Epischeres geben als eine Titelverteidigung des Pokals gegen die Hurensöhne aus München? Zu 1893% nein. Genau deshalb gehen wir zum Fußball, genau dafür ist die Cannstatter Kurve die Cannstatter Kurve und genau dafür bringt auch jeder sein Opfer, sei es durch Berliner Weiße oder fette Blaue, die man eigentlich gar nicht verträgt.
Langsam stieg die Nervosität und bei Bombese, Robbe und Theo kam dann noch ein kleiner Böschungsbrand dazwischen, der kurz vor Berlin die Weiterfahrt verhinderte. Puh, was für eine Nummer. Mitten im nix, kein Uber, kein gar nix und die Uhr tickt… Glücklicherweise hatte es schlussendlich noch einigermaßen sinnvoll in die Schüssel gereicht, aber das brauchst du am Finaltag schon genau nicht. Nächstes Mal sollten wir vielleicht mal den Flixbus probieren oder doch mit dem Schiff anreisen, damit alles glatt läuft.
Nach unserem Sieg letztes Jahr, der gebührend in der Ostkurve zelebriert werden konnte, ließ uns die Losfee ganz überraschend dieses Mal wieder das Marathontor bevölkern. Da man von der schlechten Erfahrung der Bielefelder letztes Jahr gewarnt war, dass für den Einlass etwa 1893 Stunden samt intensiver Kontrollen benötigt wurden, beschlossen wir mit reichlich Puffer und total entspannt anzureisen. Der Einlass war dann der größte Witz des Jahrhunderts, ich denke man hätte auf dem Rücken einen Rasenmäher samt Duschkabine mitnehmen können. Kein Wunder, dass auch „der ein oder andere Bengal“ seinen Weg ins weite Rund fand. Und dann tickte die Uhr, s`Äffle und s’Pferdle bereiteten sich auf den nächsten Gruß aus Berlin vor und die Kurve war im wahrsten Sinne des Wortes on fire. Entgegen der Verlautbarungen mancher „Szenekenner“, dass es dieses Mal keine große Choreo der Brustringjünger geben sollte, zauberten die unseren ein Raketending an Tifo auf die Bühne. Auf der einen Seite zwei leicht angetrunkene Kultfiguren, die auf der anderen Seite ihre Choreo vom letzten Jahr bewunderten und dabei aber nicht einen, sondern zwei Pokale in der Hand hielten. Was ein Brett, was ein Einstieg, auf geht’s VfB!
Und ja in der ersten Halbzeit war es in der Tat episch. Für mich einer der besten Auftritte unserer Kurve, die wir jemals hatten. Brachiale Lautstärke, Fahnen, Bengals, Hüpfeinlagen. Einfache Lieder, komplexe Texte und gefühlt das ganze Rund dabei. Wer die größere Kurve ist, wurde in dieser Halbzeit für die nächsten Jahre auf jeden Fall zementiert. Und dann war es noch so, dass das Spiel ohne WM-Keeper Manuel Neuer (oh Herr Nagelsmann, was du für ein Lutscher bist) wirklich eng war. Ein Spiel auf Augenhöhe, eine taktisch hervorragende eingestellte Mannschaft und tatsächlich ging es mit 0:0 in die Pause. Nicht wenige von uns träumten tatsächlich von dieser einmaligen Ausnahme und sahen wie s`Äffle und manche auch wie s’Pferdle schon doppelt.
Dann begann die zweite Halbzeit mit einer gemeinsamen Aktion der beiden Kurven, die neben massiv Pyro insbesondere dem DFB mit einem Lobgesang huldigte. Zwar wirklich eine gelungene Aktion, aber leider brach sie unserer Truppe und auch der Stimmung auf den Rängen das Genick. Kurz nachdem die Rauchschwaden verzogen waren, sah die Defensive des VfB wohl doch noch nicht alles und der Engländer netzte zum 1:0 für „die beste Mannschaft Europas“ (die aber dann wohl doch die Champions League nicht gewonnen hatte) ein. Ach und ja, da waren sie dann auch mal zu hören, die Bayern-Bazis, die ihrem Münchener Kindl doch noch den nächsten Pokal schenken wollten. Das Spiel war nach diesem Treffer quasi gelaufen und in der Kurve brauchten wir, um wieder in Fahrt zu kommen. Zwar war das ein solider Auftritt in Halbzeit zwei, allerdings konnten wir nicht mehr an die Leistung im ersten Durchgang anknüpfen. Ähnlich die Mannschaft, sodass wir dann schließlich doch klar (und auch verdient) mit 0:3 untergingen.
So ging ein weiteres Pokalfinale mit der nächsten Niederlage für uns zu Ende. Wie erwartet und nicht tragisch, wir freuen uns auf jeden Fall schon auf das nächste Mal du glorreicher VfB. Die Reisegruppen trennten sich gen Abend, der eine in die Koje, die anderen auf die Gass und wieder die nächsten in den Bus nach Hause. Ich denke alle Cannstatter können an diesem Abend stolz auf sich sein, wir alle sind der VfB!
Ich schreibe diese Zeilen nun knapp drei Wochen nach dem Finale und ich muss sagen, so geil Pokalfinale ist, so viel geiler ist es, wenn man nicht jedes Jahr dabei ist (was für Worte…). Während ich letztes Jahr in der gesamten Woche vor dem Spiel dieses eine Kribbeln hatte, war dieses Mal alles „fast schon Routine“ und außer Theo war niemand wirklich aufgeregt. Aber ihr wisst, dass das kein Maßstab ist.
Ich freue mich daher auf die nächste Reise ins Berliner Moloch im Mai, aber fände es ziemlich geil, wenn das erst in ein paar Jahren wieder der Fall ist.
Allen VfBlern eine satte Sommerpause und bis zum nächsten Jahr! Allez VfB!